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"Fenstergucker und Badende"
Radolfzeller Wochenblatt, 29.04.2009

Vergnügliche "Ton-Art" zum ersten Atelier-Geburtstag

Viele Komplimente gab es für Victoria Graf zum einjährigen Bestehen ihres Ateliers in Böhringen.
Nicht nur ein Reich für eigene Ideen, Inspirationen und Experimente der Künstlerin ist hier entstanden, ihre Werkstatt mit regelmäßigen Events und Plattform für andere kreative Menschen etabliert sich mehr und mehr als lebendiger Ort der Begegnung und Kommunikation, der in die Region hineinwirkt.

So erwies sich auch die Ausstellungseröffnung von Irmgard Wanings "Ton-Art" zum Einjährigen als Publikumsmagnet – eine Schau, die nur so sprüht vor Fröhlichkeit und Leichtigkeit.
Fenstergucker und Badegäste laden hier zur vergnüglichen Betrachtung, zu Kommunikation und zu humorvollen Interpretationen ein. Die in beeindruckender Qualität und Charakteristik geschaffenen Figuren wollen anatomisch weder mit realistischen Vorbildern noch mit gängigen Schönheitsidealen wetteifern.
In sympathisch unproportionaler Leibesfülle mit kahlen Häuptern und Faltengesichtern stehen sie dem Betrachter zweifelsohne als gereifte Persönlichkeiten gegenüber – auch als Pärchen voller Gegensätze wie im richtigen Leben. Ihre beobachtende Mimik ist ein mit Offenheit, Weisheit und Humor gepaartes "In-sich-Rücken" wider dem hektischen Zeitgeist.

Die freischaffende Künstlerin aus dem Freiburger Raum ist hierzulande keine Unbekannte, auch auf dem Töpfermarkt in Iznang ist sie stets vertreten. In Frankreich hat die Duisburgerin ihre Passion für das Töpfern entdeckt. Im Keramikatelier der Kunstakademie in Straßburg perfektionierte sie ihr Können. 1992 gründete sie ihre erste Werkstatt und seitdem entstehen dort unter anderem die Badegäste die als Fenstergucker in den nächsten Wochen genau beobachten werden, was so alles in der Singener Straße geschieht.
Durchgängig ist bei Irmgard Waning das Thema Wasser zu finden, dem sie sich schon immer verbunden fühlt, denn angefangen hat sie mit Fischen, die sich nach und nach in Menschen gewandelt haben. Was ihre Figuren mit Goldfischen gemeinsam haben, dieses Geheimnis lüftete bei der Ausstellungseröffnung Antje Tresp mit humorvollen Versen. Die in Böhringen lebende Grundschullehrerin, die im Jugendwerk Gailingen tätig ist, beschäftigt sich nebenbei mit Lyrik, skurrilen Geschichten und hat auch schon ein kleines, sehr unterhaltsames Kinderbuch geschrieben.
So hatte auch die Literatur an diesem Abend ihren Platz. Alles in allem wieder ein schönes, kommunikatives Stelldichein bei Victoria Graf, das Lust auf Kunst machte. Die Ausstellung läuft noch bis 14. Juni. Am 1. Und 2. Mai von 14 bis 17 Uhr ist auch Irmgard Waning anwesend. (mk)